eZytig Die Neue Internet Zeitung
Zurück...
eZytig volltext Suche


Home
Bücher
Schwizer(n)örgeli
Heil Dir Helvetia
Blick über die Grenze
Nebenbei bemerkt
Der Seitenhieb
Über den Tag hinaus...
Medien-Kaleidoskop
Kommentar
Aufgeschnappt
Forum
Mix

Wer schreibt, dem wird geschrieben

Feedback

Impressum


Anzeige




Neue Internet Zeitung
www.niz.ch - www.ezytig.ch

 

Sollen die Freisinnigen Regierungspartei bleiben?

Formell ist noch nichts beschlossen, man kann jedoch davon ausgehen, dass der Vorschlag der drei Zürcher SVP-Hardlinern Mörgeli, Heer und Rutz zu Handen von Vorstand und Delegiertenversammlung der kantonal-zürcherischen SVP, es seien die Mitglieder der Landregierung nicht mehr durch die Bundesversammlung, sondern durch den eidgenössischen Souverän zu wählen, zum Beschluss erhoben und die entsprechende Volksinitiative lanciert wird.

Und man kann auch annehmen, dass alt Bundesrat Christoph Blocher dem Begehren der drei SVP-Mann zustimmend zur Seite gestanden ist. Seinen Rauswurf aus der Landesregierung im Dezember 2007 hat er noch immer nicht „verschmerzt“, ganz abgesehen davon, dass die Volkswahl der Mitglieder der Landesregierung seit Jahren eines seiner politischen Lieblingskinder ist. Der Zeitpunkt der Ankündigung des Vorstosses ist zweifelsohne gut gewählt angesichts der politischen Traktandenliste der Bundesversammlung, die Nachfolge des zurücktretenden FDP-Bundesrates Pascal Couchepin zu regeln, weil mit der Zürcher Ankündigung schon ein bisschen Dampf von Seiten der SVP auf das bevorstehende Auswahlverfahren des Kandidaten oder der Kandidaten aufgesetzt werden kann.

Namen für die Nachfolge sind bereits genannt worden, und die Freisinnigen der Schweiz erheben Anspruch auf die Besetzung des freiwerdenden FDP-Sitzes durch einen der Ihren. Spekulationen über einen möglichen Erfolg der FDP sich auch schon angestellt werden. Bisher kein Wort verloren worden ist über die Frage, ob es für die FDP angesichts der parteipolitischen Landschaft der Schweiz nicht besser wäre, sich eine politische Auszeit zu nehmen und bei der kommenden Ersatzwahl auf den Anspruch zu verzichten sowie auf Ende 2009 auch Bundesrat Hans-Rudolf Merz zum Rücktritt zu bewegen.

Diese Frage ist ja nicht neu. Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte sich vor allem der damalige Chefredaktor der Berner Tageszeitung „Der Bund“, Paul Schaffroth, für einen Austritt der FDP aus der Landesregierung stark gemacht. Es gab in den Medien darüber wohl eine Diskussion, doch eine ernsthafte Auseinandersetzung über das Für und Wider ist unterblieben. Vermutlich wird man auch jetzt wieder dieser Frage ausweichen, auch auf die Gefahr hin, dass die FDP am Schluss mit nur noch einem Freisinnigen in der Landesregierung vertreten sein wird.

Die Notwendigkeit einer derartigen Debatte hätte nicht das Ziel, in die Opposition zu gehen, wie dies die SVP nach dem Blocher-Debakel lautstark und in Verkennung der staatspolitischen Strukturen der Schweiz verkündet hatte, sondern es ginge vielmehr darum, in der Partei, gelöst von der Verantwortung in der Landesregierung, den dringend erforderlichen Prozess einer liberalen Erneuerung in die Wege zu leiten. Die Partei hat sich nämlich selber in eine absurde Situation manövriert, indem sie mit dem Erstarken der SVP in den letzten 20 Jahren die Chance verpasst hatte, auf breiter Ebene der Agitation der SVP wirksam entgegenzutreten. Die klare und verständliche Formulierung einer selbständigen Politik der Mitte in allen Bereichen ist unterblieben. In einer Referendumsdemokratie wie der schweizerischen ist es doch unerlässlich, dass man vom Volk verstanden wird, freilich ohne dass die Probleme mit billigen Schlagworten übertüncht werden. FDP-Politik müsste wieder Probleme lösen wollen und nicht bloss auf der Bühne vorführen, wie Letzteres die SVP meisterhaft versteht.

In keinem anderen Land der Welt kann eine politische Partei auf eine derart lange, ununterbrochene Regierungsverantwortung hinweisen wie die FDP der Schweiz: Sie ist seit 1848 bis heute in der Landesregierung vertreten, und sie hat sich im Laufe der Zeit immer wieder in die gesellschaftlichen Veränderungen in der Schweiz einfügen können, bis zu jenem Zeitpunkt, da sie sich ausschliesslich als „Wirtschaftspartei“ verstanden wissen wollte und mit diesem Credo den links der Mitte stehenden Flügel brüskierte. Heute setzt sich die FDP aus auseinanderstrebenden Flügeln zusammen, die Integrationskraft ist verloren gegangen und viele Frauen und Männer, die einst mit der FDP sympathisiert hatten, haben sich in die innere Emigration begeben.

Die gesellschaftlichen Veränderungen rufen nach einer vertieften Standortbestimmung. Politische Macht ist in einer Demokratie zustimmungsbedürftig. Und gerade diese Zustimmung hat sie FDP in vielen Belangen der schweizerischen Politik verloren. Die FDP könnte frei von jeder Mitarbeit in der Landesregierung, die dringend erforderliche Staatsleitungsreform aufgleisen und vorantreiben, wie sie der ehemalige Luzerner FDP-Regierungsrat Ulrich Fässler in seinem Schlussbericht vom Dezember 2007 fixiert hatte. Und sie könnte in zahlreichen gesellschaftlichen Fragen jene Akzente setzen, die sie in all den Jahren des Niedergangs vernachlässigt hatte, in Missachtung eines politischen Grundsatzes: Wer die Themen besetzt, besetzt die Köpfe.

Walter Brülisauer

Drucker VersionDruck Version


Aktuelle Beiträge

new Wetterfee oder Modepuppe?
 

Die Fragestellung ist nicht zutreffend. Richtig ist: Wetterfee und Modepuppe, und beides verpackt in einem Leierkasten namens Cécile Bähler, die den Auftrag hätte, wie man als Laie annehmen müsste, am Ende der 19.30-Uhr-Tagesschau des Deutschweizer Fernsehens die Wetterprognose für den nächsten Tag (und einige folgende Tage) mit Sachverstand, das heisst kompetent zu präsentieren.
   mehr...

Biometrischer Pass: Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung
 

Wie auch immer die Abstimmung über die „Einführung von elektronisch gespeicherten biometrischen Daten im Schweizer Pass und in Reisedokumenten für ausländische Personen (Änderung des Ausweis- und Ausländergesetzes)“ – so gemäss Abstimmungsbüchlein der offizielle Titel der Vorlage – ausgehen wird, ist anzunehmen, dass diese offizielle Information nach der Abstimmung noch ein Nachspiel haben wird – sofern eidgenössische Parlamentarier und die Medien am Ball bleiben werden.
   mehr...

Was ist mit Bundespräsident Merz los?
 

Allmählich beginnt man im Land herum sich die Frage zu stellen, warum Bundespräsident Hans-Rudolf Merz angesichts der gewaltigen Finanz- und Wirtschaftskrise sich „so“ passiv verhalte, den Kontakt mit dem Souverän ver­nachlässige und er offensichtlich das Gremium „Landesregierung“ nicht voll im Griff habe.
   mehr...

Wird die Schweiz Abschied nehmen von der Politik der Beschwörung der eigenen Grösse?
 

„Weil sich die Schweiz nicht in die fragwürdigen, zentralistischen Gleichschaltungsmodelle der EG einbinden lässt, sichert sie sich Respekt und Vertrauen im Ausland“. Diese Beschwörung der eigenen Grösse, der ruhmreichen Unabhängigkeit des Staates, der selbständigen, unabhängigen und prosperierenden Schweiz wird sie nun, nach dem jüngsten Fall UBS/Amerika, einer nüchternen Betrachtung und Beurteilung der eigenen Möglichkeiten Raum geben? Die vielfach von Christoph Blocher in den letzten zwanzig Jahren vorgenommenen und allerorten mit viel Beifall aufgenommenen politischen Standortbestimmungen, siehe das eingangs erwähnte Zitat, werden den realen politischen Verhältnissen in der Schweiz nicht mehr gerecht.
   mehr...

Vom Appenzeller Recht und anderen Besonderheiten
 

Vielen dürfte der Begriff „Appenzeller Recht“ unbekannt und bedeutungslos sein, obwohl gerade nach der jüngsten eidgenössischen Abstimmung da und dort ausgiebig von dieser direktdemokratischen Einrichtung ausgiebig Gebrauch gemacht worden ist. Das „Appenzeller Recht“ hat somit etwas mit Politik zu tun.
   mehr...

Brutale Niederlage für alt Bundesrat Blocher
 

Hatte am 6. Dezember 1992 der damalige Nationalrat Christoph Blocher sozusagen im Alleingang der EWR-Vorlage in der eidgenössischen Abstimmung eine klare Niederlage bereitet und seiner SVP in den folgenden Jahren zu immer neuen Höhenflügen verholfen, so könnte der 8. Februar 2009 für den inzwischen zum alt Bundesrat mutierten Politiker das Ende einer für schweizerische Verhältnisse aussergewöhnlichen politischen und unternehmerischen Laufbahn einläuten.
   mehr...

Ohne gegenseitige Anerkennung wird es im Nahen Osten keinen Frieden geben
 

Seit der Ausrufung des unabhängigen Staates Israel im Mai 1948 hat sich das Land immer wieder gegen arabische Staaten zur Wehr setzen müssen, da diese die Existenz Israels nicht akzeptieren wollten und konnten. Und jedes Mal mussten die Gegner Israels Niederlagen einstecken.
   mehr...

     
Anzeige

 
Seit dem 1.9.2000 wurde diese Zeitung 537014 mal gelesen.