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Aufgeschnappt
Eine besondere menschliche Haltung ist gefragt
„Wir müssen klar erkennen, dass der Wohlstand uns nicht gemeinschaftsfähiger gemacht hat. Die Nation ist zersplittert, und ein einheitlicher Wille zur Lösung der grossen und langfristig entscheidenden Zeitfragen fehlt“. Diese Feststellung zur politischen Situation in der Schweiz ist nicht heute, im Jahre 2008, gemacht worden – sie ist vielmehr 25 Jahre alt. In einem Interview der Appenzeller Zeitung vom 15. Oktober 1983 hatte der scheidende Ausserrhoder Ständerat Hans Ulrich Baumberger (Herisau) nach einer zwölfjährigen politischen Tätigkeit als eidgenössischer Parlamentarier (4 Jahre Nationalrat, 8 Jahre Ständerat) diese auch heute noch zutreffende Analyse vorgenommen.
Weiter führte Baumberger in dem Interview aus: „Dabei ist mit Sicherheit anzunehmen, dass uns sowohl wirtschaftlich wie politisch und gesellschaftlich schwierige Aufgaben bevorstehen. Wir lösen diese aber nicht, indem wir Angst verbreiten und sie zerreden, sondern indem wir sie kraftvoll, mutig und gemeinsam anpacken. Das können wir aber nur, wenn nicht Extremhaltungen das politische Feld beherrschen und dies zu einem reinen Kampfplatz massloser Forderungen machen. Das setzt aber voraus, dass wir unsere Demokratie nicht einfach als eine Institution und Organisationsform betrachten, sondern als eine Staatsform, die von ihren Trägern, dem Volk und den Behörden, eine besondere menschliche Haltung verlangt“.
Hans Ulrich Baumberger habe 1983, wie die Appenzeller Zeitung festhielt, mit 51 Jahren bewusst einer politischen Karriere Valet gesagt, die er „in dieser ebenso glanz- wie anspruchsvollen Form wohl nie gesucht hat. Sie ist ihm zugewachsen, weil er von seiner Art her zum Politiker in unserer Demokratie geboren ist“. Zum Schluss meinte Baumberger in dem Interview, gefordert werde einen Gesinnung und ein persönliches Engagement, welche wohl von Toleranz geprägt seien, uns aber auch befähigten, für eine als langfristig richtig erkannte Lösung einzustehen und auch ein Opfer zu bringen, sofern dies im Interesse des Landes notwendig sei.
Kurz vor und nach 1991 hat sich hierzulande in der Politik der „reine Kampfplatz“, vor dem Baumberger in richtiger Erkenntnis eidgenössischer Notwendigkeiten gewarnt hatte, eingestellt, und mit der Nichtbestätigung von Christoph Blocher als Bundesrat im Dezember 2007 ist auf diesem Kampfplatz von einer Partei eine politische Kultur zelebriert worden, die gerade die „besondere menschliche Haltung“ vermissen liess und weiterhin vermissen lässt. Und ganz gewiss hätte Baumberger sich damals auch von masslosen Manager-Löhnen distanziert und für die er auch heute kein Verständnis hat.
Appenzeller Zeitung, 15. Oktober 1983 | |
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