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Gegner werden als Monarchie-Abschaffer abgekanzelt

Die Zeiten sind vorbei, da der Regierende Fürst von Liechtenstein ein wertvolles Bild aus seiner umfangreichen und kostbaren Gemäldesammlung auf Schloss Vaduz nach Amerika verkaufen musste, um wieder genug Bares in der Kasse zu haben. Sein Sohn und Nachfolger, Hans-Adam II., hat mit eisernem Besen die Grundlage für den heutigen milliardenschweren Reichtum des Fürstenhauses geschaffen.

Es war in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als der aufsehenerregende Bild-Verkauf an die Öffentlichkeit drang und der liechtensteinischen Bevölkerung zu verstehen gab, dass der Fürst wohl reich an Gütern, aber arm an „Flüssigem“ ist. Als Franz Joseph als Regierender Fürst die Zeit für gekommen sah, den Erbprinzen in die Verantwortung zu nehmen, widmete sich Hans-Adam zu allererst den Finanzproblemen des Fürstenhauses. So machte er sauberen Tisch mit den vielen monatlichen Entschädigungen auf die vor allem in Wien wohnhaften Mitglieder des weitverzweigten Fürstenhauses glaubten Anspruch haben zu können. Und Hans-Adam, an der Hochschule St.Gallen ausgebildet, war klar, dass jemand im Schloss ob Vaduz aktiv das Vermögen bewirtschaften musste. Er machte dies selber, knallhart und mit grossem Sachverstand.

Nach dem Erfolg in Finanzdingen versuchte Hans-Adam auch seine Stellung als Landesfürst auszubauen und startete vor etwa zehn Jahren eine Revision der Verfassung von 1921. Hatte das Land mit diesem Werk während Jahrzehnten nicht nur gut gelebt, sondern sich, gemessen an der Grösse und der Bevölkerungszahl, zu einem der reichsten Länder der Welt entwickelt , wollte Hans-Adam politisch nun neue Wege auch in der Politik beschreiten und seine Position als Landesfürst stärken.

War die wirtschaftliche Entwicklung sozusagen schnörkellose verlaufen, schlug ihm nach der Veröffentlichung seiner Vorschläge Widerstand entgegen. Daraufhin sah sich Hans-Adam veranlasst, feierlich zu erklären, dass er bei einer Ablehnung seiner Verfassungsvorlage das Land verlassen und sich in Wien niederlassen werde. Dieser fürstliche Hammerschlag schüchterte einerseits viele Liechtensteiner ein, andererseits löste er aber auch Entrüstung und Enttäuschung aus, indem der Warnschuss als unwürdiges Druckmittel bezeichnet wurde. Mit dem Ergebnis, dass im Land eine sachliche Diskussion über die Fürstenvorlage nicht mehr möglich war; die Auseinandersetzung wurde äusserst emotional geführt, dies um so mehr, als der Fürst öffentlich die Gegner seiner Verfassungsvorlage als Monarchie-Gegner abkanzelte. Was natürlich barer Unsinn ist. Unsinnig war auch seine Bemerkung, er würde das Land bei einem Nein verlassen und nur jährlich einmal auf Schluss Vaduz Einzug halten. Diese Drohung verrät, bei Lichte besehen, wenig Verständnis für freiheitlich-demokratische Regeln.

Wenn es in der Abstimmung vom kommenden Wochenende zu einem Ja für die Fürstenvorlage kommen wird, dann ist dieses Votum auf einer Grundlage zustande gekommen, die für die politische Entwicklung im Fürstentum Liechtenstein nicht unbedingt Gutes erahnen lässt.



Walter Brülisauer

 

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