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Journalismus aus LeidenschaftSeine beruflichen Stationen waren das thurgauische Amriswil, Winterthur, Frauenfeld und Basel, wo er 1971 die Chefredaktion der liberal-konservativen und von der einheimischen Wirtschaft finanziell getragenen „Basler Nachrichten“ übernommen und ihr zu neuem Ansehen und zu einer steigenden Auflage verholfen hatte. Im November 1976 wurde jedoch hinter seinem Rücken die Fusion mit der „National-Zeitung“ zur „Basler Zeitung“ beschlossen; sie war von oben, sozusagen handstreichartig, auf den 1. Januar 1977 vollzogen worden. Dieses für ihn auch persönlich einschneidendes Ereignis sollte sein weiteres publizistisches Schaffen und sein politisch-wirtschaftliches Selbstverständnis nachhaltig prägen. Oskar Reck, um den es hier geht, ist im Jahre 2003 eine mehr als 200 Seiten umfassende Schrift gewidmet worden unter dem Titel „Journalismus aus Leidenschaft – Oskar Reck – Ein Leben für das Wort“ (Stämpfli Verlag AG, Bern, herausgegeben von Roy Oppenheim, Matthias Steinmann und Franz A. Zölch). o.r., so das Kürzel von Oskar Reck, war 1920 im aargauischen Niederlenz geboren, 1996 in Basel gestorben. In der Stadt am Rheinknie lebte er am längsten, fast drei Jahrzehnte. Als Auslandberichterstatter der „Weltwoche“ begann er bereits in jungen Jahren seine journalistische Laufbahn. Mit der Übernahme der Redaktion des viermal wöchentlich erscheinenden „Amriswiler Anzeigers“ setzte Oskar Reck seine ersten Akzente in der schweizerischen Innenpolitik. Es waren oftmals eher kurze Artikel, die er in diesem sogenannten „Allandertag“-Blatt veröffentlichte, geschrieben in der kleinen Redaktionsstube, mit einer minimalen Infrastruktur ausgestattet, und für diese Tätigkeit nahm er sich Zeit, 20, 30 Zeitungszeilen beanspruchten nicht selten 3 oder 4 oder noch mehr Stunden, während der er nicht gestört werden durfte. Schon damals war sein Stil eine Ausnahmeerscheinung. „Oskar Reck war ein glänzender Schreiber, ein hervorragender Stilist. Schon seine früheren Texte sind Zeugnisse seiner Sprachkunst, und was er schrieb, war stets dem literarischen Essay näher als der Story eines amerikanischen Polizeireporters“, wie der Publizistik-Professor Roger Blum Jahre später im Basler Stadtbuch von 1996 schreiben wird. In seinen innenpolitischen Betrachtungen begann Oskar Reck nicht selten damit, dass er ein mögliches Unheil diagnostizierte, um dann festzustellen, dass wir „auf auf diesen Tiefpunkt indessen noch keineswegs abgesunken“ sind. Es war ein Stilmittel Recks, einen politischen Gau anzunehmen, um sich dann in glänzend formulierten Thesen über den zu behandelnden politischen Gegenstand auszulassen. Die Lust am Formulieren, ja eine gewisse Selbstverliebtheit in den eigenen Stil behinderten hin und wieder die Aussagekraft des politischen Gegenstands. Damit soll Recks journalistisches Schaffen keineswegs eingeschränkt oder gar vernütigt werden, es soll lediglich angedeutet werden, dass Oskar Reck teilweise auch mit (respektvoller) Kritik bedacht worden war. “Journalismus aus Leidenschaft“ enthält mehrere Artikel von ehemaligen Mitarbeitern (Jürg Tobler, „Thurgauer Zeitung“, Hans-Peter Platz, „Basler Nachrichten“) und Kollegen, die mit o.r. im Laufe der Jahre beruflich zu tun hatten und auch zum persönlichen Umfeld des „kämpferischen Republikaners“ (Frank A. Meyer) gehörten. Als Beleg für das publizistische Schaffen sind rund 70 Zeitungsartikel aus den Jahren 1977 bis 1996 (dem Todesjahr von o.r.) ausgewählt worden, und zwar aus der „Basler Zeitung“, der „Weltwoche“, den „Basler Nachrichten“ und dem „Brückenbauer“. Nicht berücksichtigt wurden der „Amriswiler Anzeiger“, das „Neue Winterthurer Tagblatt“ und, was besonders aufschlussreich gewesen wäre, die „Thurgauer Zeitung“. An der grössten thurgauischen Tageszeitung war Oskar Reck von 1960 bis 1970 als Chefredaktor tätig, und zwar als Nachfolger von Edwin Altwegg. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger beschäftigte sich o.r. in seiner Zeitung praktisch nie mit thurgauischen Problemen, die zu jener Zeit zu Hauf präsent waren. Für ihn war diese Zeitung vielmehr eine persönliche Plattform, die es ihm ermöglichte, seinen Rang als politischer Kommentator über die Kantonsgrenzen hinaus zu verbreiten und zu festigen. Die redaktionelle Knochenarbeit interessierte ihn wenig, sehr oft war sein einziger Beitrag ein Glosse, allerdings nach stundenlangem Feilen brillant geschrieben. Während seiner Zeit an der „Thurgauer Zeitung“ wollte Oskar Reck thurgauischer Ständerat werden, was ihm jedoch die freisinnigen Delegierten verwerten. Allerdings nicht aus jenen Gründen, die Jürg Tobler in seinem Beitrag beschreibt, sondern wegen Recks Distanziertheit zu politischen Fragen des Kantons. Wohl am einfühlsamsten und gleichwohl sehr differenziert zeichnet Hans-Peter Platz sein Bild von Oskar Reck. Platz war seinerzeit von ihm an die „Basler Nachrichten“ geholt worden, und später, als Platz Chefredaktor der „Basler Zeitung“ geworden war, hatte Reck weiterhin einen guten Draht zu diesem Kollegen, der in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts seine journalistische Laufbahn vor allem als Mitarbeiter „Jura Nord“ der „Solothurner Zeitung“ begonnen hatte. „Oskar Reck war ein genialischer Medienvirtuose, der seine Fähigkeiten und Möglichkeiten geniessen konnte, aber auch grausam litt, wenn ihn seine Schwächen und Grenzen behinderten“. Für Platz hatte Reck offensichtlich kein allzu grosses Verständnis für teamorientierte Arbeitsformen, „er war ein (oft sehr egoistisch denkender) Einzelgänger, nie ein Teamplayer“, wie ein Insider (ausserhalb des Buches) ihn schilderte. Zu bedauern ist in hohem Masse, dass „Journalismus aus Leidenschaft“ keine Beiträge aus Recks Jahren in Amriswil, Winterthur und Frauenfeld enthält. Die Gegenüberstellung von Beiträgen aus diesem Zeitabschnitt mit seinem journalistischen Schaffen nach der Balser Zeitungsfusion wäre zweifelsohne aufschlussreich mit Bezug auf die publizistisch-politische Haltung in seinen beiden wichtigen Lebensphasen gewesen. Vor allem bei der „Vergangenheitsbewältigung“ und „Medien und Journalismus“. Recks Bekenntnis zur Pressefreiheit und sein Einsatz für die Pressefreiheit sind im Buch belegt, andererseits wird Recks teilweise eben auch ambivalentes Schaffen deutlich, wenn man bedenkt, dass ihn seinerzeit die damals miserable Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Thurgauer Regierung nicht interessierte; es waren vielmehr die kleinen Zeitungen, die zu jener Zeit im Thurgau noch existierten und mit beträchtlichem Erfolg sich des unhaltbaren Zustandes angenommen hatten. Auch war es ihm keine Zeile wert, als ein Redaktor einer anderen ostschweizerischen Tageszeitung die Kündigung nur deshalb erhielt, weil er eine Gerichtsberichterstattung ins Blatt setzen liess, die dem Chefredaktor lediglich aus privat-persönlichen Gründen nicht in den Kram passte. Und man hätte auch gerne gewusst, wie sich Oskar Reck in den sechziger Jahren zum Fall Grüninger (Seite 115) hatte vernehmen lassen. Mit Interesse hätte man gewiss auch Recks Kommentar in diesem Buch gelesen, den er zum erteilten Auftrag der Moskauer „Prawda“ an die Wifag Druckmaschinen in Bern in der „Thurgauer Zeitung“ geschrieben hatte. Dass ausgerechnet Frank A. Meyer als Exponent einer von Oskar Reck zutiefst verpönten Journalisten-Gattung (Vertreter des Asphaltjournalismus pflegte er Boulevard-Journalisten zu bezeichnen) die Einleitung zu „Journalismus aus Leidenschaft“ beisteuern konnte - diese Tatsache steht in eklatantem Widerspruch zu Recks Ethik- und Verantwortungs-Verständnis eines Journalisten. Der Versuch, die Bedeutung Oskar Recks im schweizerischen politischen und medialen Alltag hervorzuheben, ist mit „Journalismus aus Leidenschaft“ weitgehend gelungen, mit ein paar Einschüben hätte jedoch das jahrzehntelange Schaffen dieses Journalisten aus Leidenschaft noch präziser dargestellt und erläutert werden können.
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Ein Kanton im Wandel der Zeit
Grissini & Alpenbitter
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