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Pietätlos!

Nun hat man die Gewissheit: die fünfeinhalbjährige Ylenia ist einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer gefallen. Ein Mann hat sie von ihrem Wohnort Appenzell entführt, getötet und die Leiche im Boden vergraben.

Dank der unermüdlichen Suchaktion eines Mannes aus dem Kanton Zürich konnte die Leiche gefunden werden. Er hatte in seiner Familie den Todesfall eines Kindes zu beklagen, und diese traurige Begebenheit veranlasste ihn, als Privatperson nach Ylenia zu suchen. Während drei Wochen hatte er Quadratmeter um Quadratmeter abgesucht, und schliesslich ist er auf die Leiche von Ylenia gestossen.

Für die Hauptausgabe der Tagesschau des Schweizer Fernsehens war die Aufklärung des Verbrechens die erste Meldung am Samstagabend, 15. September 2007. Das war durchaus in Ordnung, hatten doch Tausende von Menschen am Schicksal der kleinen Ylenia aus Appenzell Anteil genommen.

Und was machte das Schweizer Fernsehen an diesem Samstagabend aus dem „Fall Ylenia“? Es liess seine Ostschweizer Korrespondentin, Alexandra Gubser, gegenüber einem Vertreter der St.Galler Kantonspolizei in pietätloser Art und Weise Fragen stellen, die dem schrecklichen Ereignis überhaupt nicht gerecht geworden waren. Arrogant, teilnahmslos und besserwisserisch präsentierte sie sich dem Mann, dessen innere Anteilnahme ihm ins Gesicht geschrieben war, während Frau Gubser ihre unsagbar pietätlosen Fragen abspulte. Auch wenn eine Journalistin oder ein Journalist in einer schwierigen Situation, wie der Ausgang der Entführung von Ylenia eine war, gegenüber dem Publikum – sei es nun im Fernsehen, im Radio oder in einem Printmedium – Haltung bewahren muss, so heisst das noch lange nicht, dass man im Stil von Frau Gubser seine Aufgabe der Informationsvermittlung erfüllen muss. Es ist zu hoffen, dass ihr Auftritt am 15. September 2007 im Schweizer Fernsehen wenigstens intern noch ein Nachspiel haben wird.



Walter Brülisauer

 

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