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Die Aufregung hat sich gelegt

Was in den ersten Juli-Tagen des laufenden Jahres für etwelche Aufregung gesorgt hatte, ist mittlerweile schon fast in Vergessenheit geraten, dies umso mehr, als die Verlautbarung des Vatikans über die Einmaligkeit der römisch-katholischen Kirche keine Neuigkeiten enthielt.

Die im Vatikan domizilierte Kongregation für die Glaubenslehre hat den Anspruch erneuert, die allein selig machende christliche Kirche, wie sie angeblich von Christus gestiftet worden sei, zu sein. Die Verlautbarung hatte zu einigen Kommentaren und Diskussionen im Fernsehen geführt. Doch da sie substanziell nichts Neuen enthielt, hat sich die teilweise künstlich erzeugte Aufregung wieder gelegt.

Abgesehen davon, dass Jesus Christus nie und nimmer die Absicht gehabt haben könnte, eine christliche Kirche zu gründen, wie sich die römisch-katholische seit Jahrhunderten präsentiert, ist es vermutlich gar nicht so abwegig, wenn man die Annahme vertritt, das Papier der Kongregation für die Glaubenslehre sei weniger an die Adresse der übrigen christlichen Kirchen gerichtet gewesen als vielmehr an die eigene, weltweit verstreute Gemeinde, die sich ja schon seit einiger Zeit nicht mehr als derart fest verankert präsentiert, wie man dies im Vatikan gerne wahrhaben möchte. Kommt hinzu, dass die römisch-katholische Kirche zum Beispiel in Südamerika eine andere ist als in Europa, und nochmals anders versteht sie sich in Afrika. So versucht man halt mit einer Aus- und Abgrenzungspolitik die eigenen Schäflein bei der Stange halten zu können, sicher auch im Wissen darum, dass Tausende von Katholiken sich nicht mehr von „Rom“ vorschreiben lassen, wie sie sich, zum Beispiel, gegenüber Angehörigen der evangelisch-reformierten oder protestantischen Kirche zu verhalten haben. Das Miteinander in einem richtig verstandenen ökumenischen Geist ist ihnen wichtiger als ein Gegeneinander mit dem Pochen darauf, den rechten Glauben zu besitzen.

Es kann ja sein, dass die Kongregation für die Glaubenslehre mit der Verlautbarung die Hoffnung verbindet, heranwachsende konservativ orientierte Männer für den Priesternachwuchs gewinnen zu können. Denn dieses römisch-katholische Kirchenverständnis beinhaltet immer noch den Anspruch auf Macht, und Machtausübung gegenüber Menschen hat nach wie vor eine grosse Anziehungskraft. Wer den Umgang mit dem Teufel, der Sünde und der Einmaligkeit der römisch-katholischen Kirche beherrscht, hat gerade auch heute, da der religiöse Fundamentalismus neue Blüten treibt, die Chance, in der Vermittlung des rechten Glaubens Karriere zu machen. Schliesslich ist der ultrakonservative Liechtensteiner Wolfgang Haas sogar zum Erzbischof ernannt worden.



wb.

 

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