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Wir sind alle gerne Schweizer. Auch wenn es immer wieder vieles gibt, das wir in der Schweiz anders machen wollten, das wir besser machen könnten, was wir besser machen müssten“.

Dies erklärte der Sirnacher Gemeinderat Dr. Jürg Baumberger zu Beginn seiner 1.-August-Ansprache im Regionalen Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen. Münchwilen ist der Bezirkshauptort, und Sirnach ist darin die grösste Gemeinde. Dieser thurgauische Bezirk ist auch bekannt unter der Bezeichnung Tannzapfenland.

Wir meinten, was man besser machen könnte, sicher nicht immer das gleiche, aber das sei normal. Der eine möchte die Schweiz etwas mehr abschliessen, damit uns niemand etwas wegnehmen könne. „Ich hätte sie lieber etwas offener, damit uns die Nachbarn etwas bringen können“. Wir sollten nicht vergessen, fuhr Baumberger fort, dass unser Wohlstand immer vom Ausland profitiert habe. Wichtige Gründer von grossen Schweizer Firmen seien Zuwanderer gewesen, Wirtschaftsflüchtlinge sozusagen. Henri Nestles Familie sei aus Deutschland gekommen, Bührle sei im Ersten Weltkrieg Offizier beim Kaiser gewesen, Brown und Boveri seien aus England und Deutschland gekommen.

“Also, wir sind über die Schweiz meist nicht der gleichen Meinung, und das ist gut so. Denn wenn wir über unser Land diskutieren und über unser Land streiten, dann bringen wir es voran. Denn wir müssen die Schweiz immer wieder verändern, wenn sie so bleiben soll, wie sie ist. Und auch unser Bild von der Schweiz müssen wir ändern. Der Älpler mit dem Melkstuhl gibt es schon noch, aber er hat heute ein Natel, damit er seiner Lebenspartnerin ein SMS an den Flughafen senden kann, wenn sie in die Malediven zum Tauchen fliegt; er lädt sich vom Internet Rapmusik in den i-Pod, die er dann beim Melken über einen Knopf im Ohr hört; und er hütet Kühe mit dem Mountainbike“.

Selbstverständlich sprach Jürg Baumberger auch über Fragen des Alters und des Älterwerdens, wo es unter anderen auch darum gehe, die Möglichkeiten, die in jedem Alter steckten, voll auszuschöpfen. „Nur so leben wir nicht gegen uns selbst. Nur so erhalten wir die Kraft aus uns selbst, eine Kraft, die sich nicht an anderen misst“. Wollten wir es so haben, wie es immer gewesen sei, dann gehe das nicht. Wenn alles so bleibe solle, wie es sei, dann müsse sich alles ändern. Dies gelte für unser Leben ebenso wie für unser Land. Wer das nicht akzeptiere, sei nicht glücklich, denn er lebe gegen die Natur und gegen sich selbst. Diesen Eindruck habe er manchmal von der Schweiz, die nicht akzeptieren wolle, dass um sie herum sich alles ändere – und sie sich daher auch bewegen müsse.



Die Schweiz immer wieder verändern, wenn sie so bleiben soll, wie sie ist

 

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Erster „Wir können alles. Ausser Hochdeutsch.“ Prev NextAppenzeller Zeitung, 15. Oktober 1983 Letzter
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