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Wetter-Prognosen-Hysterie (WPH)

Das waren noch Zeiten, als man einmal im Tag im Radio sich die Wetter-Prognosen anhörte und im übrigen auf die eigene Urteilskraft vertraute. Der Blick aus dem Fenster gehörte jeden Morgen zur Pflicht, wie das Zähneputzen. Und da gabs ja auch noch die Volksweisheit: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert das Wetter oder es bleibt wie es ist. Doch wo haben wir heute noch bäuerliche Misthaufen?

Mittlerweile existiert eine eigentliche Wetter-Prognosen-Hysterie. Das Wetter im Radio, von morgens bis abends. Das Wetter im Fernsehen, ausführlich nach der Hauptausgabe der Tagesschau, so gegen 19.50 Uhr. Mit unterschiedlicher Qualität der Personen, die das Wetter für „morgen“ und für die nächsten 5 Tage voraussagen. Da wird dann etwas von „Beaufort“ eingeblendet, und ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll. Schön möglich, dass ich mit Bezug auf das Wetter unterbelichtet bin. Deshalb liegt es womöglich auf der Hand, dass ich auch andere Fachausdrücke nicht verstehe; ich bin allerdings nach wie vor der ganz und gar nicht massgeblichen Meinung, dass Radio und Fernsehen Informationen, auch beim Wetter, vermitteln sollten, die allgemein verständlich sind. Wissen Sie denn, wie gross die Menge Wasser ist, wenn es heisst, auf einen Quadratmeter habe es zum Beispiel 40 Liter geregnet. Wenn man sagen würde, auf einen Quadratmeter habe die Regenmenge eine Höhe von, sagen wir mal, 5 Millimeter erreicht, dann könnte ich mir mit meinem Laienverstand etwas vorstellen. Aber 40 Liter!

Und wenn ich schön beim Nörgeln bin, dann frage ich mich auch, ob es eigentlich Sinn macht, die Menschen mit Wetter-Prognosen täglich mehrmals zu überfallen. Mit dem Ergebnis, dass mehr und mehr Menschen nicht mehr in der Lage sind, sich auf die eigenen Empfindungen, auf die eigenen Wahrnehmungen einzustellen. Die Prognosen werden konsumiert, wie vieles andere auch, und eine neue Hysterie, eben die WPH, zeichnet sich ab. Da hatte vor Jahrzehnten der Verleger einer Tageszeitung in der deutschsprachigen Schweiz es sich einfacher gemacht, indem er seinen Redaktoren sagte, sie sollten abends in der Dienstredaktion das Fenster öffnen, in den Himmel schauen und noch den Zeigefinger hinausstrecken und dann eine Prognose formulieren. Damit sparte er sich das Honorar für die Wetter-Prognose, und die Redaktionsmitglieder wetteiferten mit ihrer Formulierungskunst. Vermutlich zur Freude der Leserinnen und Leser. Und da Prognosen eben Prognosen und somit keine verbindlichen Aussagen sind, störte sich auch niemand daran, dass dieselbigen im Grunde genommen das Papier nicht wert waren. Man hatte ja sein eigenes Wetter-Gefühl!

Und jetzt kann man das Wetter auch auf das Handy senden lassen. Muss das nicht grausam sein, auch noch auf diese Weise mit dem Wetter traktiert zu werden. Wo doch niemand verbindlich sagen kann, was eigentlich mit dem Wetter los ist. So, dass es der Laie versteht, ohne in Angst und Schrecken zu geraten.

Manchmal wäre weniger in der Tat mehr. Aber eben, die WPH entspricht dem heutigen Zeitgeist: Konsumieren statt selber denken!

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